1.4.2005
Deutscher Wein gegen brasilianischen Cappuccino - ein Überraschungs-Coup auf Gegenseitigkeit
Seit vielen Jahren hatte der brasilianische Konzern Mendoza erfolglos
versucht mit seinen Cappuccino-Produkten auf dem deutschen Markt gegen
eine übermächtige italienische Konkurrenz Fuß zu fassen. Wie von gut
unterrichteter Seite der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer gestern
im Rahmen einer Festveranstaltung in Frankfurt mitgeteilt wurde, kommt
es jetzt zu einem internationalen Kompensationsgeschäft.
10 Millionen Flaschen deutschen Wein gegen 5 Millionen Kilogramm Kaffee.
"Und das ist nur der Anfang", sagte Luiz Mendoza, Junior Chef in der
5ten Generation: "Wir wollen nicht die Weine von den großen Kellereien,
sondern individuelle Produkte von den Winzern." Das verwundert nicht, da
viele Brasilianer deutscher Abstammung sind und südlich von Sao Paulo
wird deutsches Brauchtum und deren Gewohnheiten hochgehalten. Orte wie
Novo Hamburgo, Pomerode oder Blumenau haben dort bis heute den Charakter
deutscher Kleinstädte bewahrt. Mendoza weiter: "Meine Einkäufer sind
bereits in Deutschland unterwegs".
Und wo sie unterwegs sind, verriet uns ein Mitarbeiter der
Handelskammer, Markus Eller. Man sei ganz besonders an Weinen aus
Rheinhessen interessiert. "Die Brasilianer lieben den deutschen
Riesling", geriet der 34-jährige ins Schwärmen. Neben dem Riesling sei
das Interesse auch am Silvaner sehr stark. Fruchtbetonte Weine seien
hingegen nicht so gefragt. Woher die große Nachfrage ausgerechnet nach
Silvaner komme, da könnte die Ursache allerdings weniger am guten Wein,
sondern vielmehr an seiner Namensgebung zu finden sein. "Silvanero"
bedeutet so viel wie "es zischt".
Der Cappuccino-Vertrieb in Deutschland wird von Frankfurt aus aufgebaut.
Eine Aktiengesellschaft, an der sich die Winzer mit einer Einlage von
Euro 500 beteiligen können, ist die Basis dieses globalen
Kompensationsgeschäfts. Die Winzer liefern den Wein nach Brasilien.
Mendoza liefert den Cappuccino an die Kunden der Winzer, und das zu
einem Preis an dem beide noch etwas verdienen können, heißt es aus der
Handelskammer.
Vielleicht muss in Zukunft öfter mit solchen Überraschungs-Coups der
findigen Unternehmer auf internationaler Ebene gerechnetet werden.
(Redaktion: WINZER.DE)
 | Links zum Thema:
Alle Meldungen Druckversion
|